Dieser Artikel ist ein Beitrag von unserer langjährigen Kursteilnehmerin Jana Trautmann - vielen Dank, liebe Jana!
Der Sommer ist da und wir haben unserem Sohn dieses Jahr einen Herzenswunsch erfüllt und einen Pool in unseren Garten gebaut. Nun fehlte mir jedoch die passende Bekleidung – sprich: ich habe nicht einen einzigen Badeanzug in meinem Kleiderschrank!
Da ich jedoch schon vor Ewigkeiten Badelycra gekauft habe, dachte ich mir, dass nun der perfekte Zeitpunkt gekommen ist, mich an meinem ersten Badeanzug zu versuchen. Dabei nehme ich dich im folgenden Beitrag gerne mit.
Die Superstretch-Naht mit der Overlock nähen
Badebekleidung muss sehr viel aushalten – nicht nur, was Salzwasser oder Chlorwasser angeht - sondern vor allem in Hinblick auf die Dehnbarkeit. Daher bietet sich die Superstretch-Naht dafür – wie auch für Sportbekleidung – besonders an. Diese hochelastische Naht wird mit 3 Fäden genäht: 2 Nadeln und der Untergreifer. Dabei wird in allen drei Fäden Bauschgarn verwendet, da dieses von sich aus schon eine gewisse Dehnbarkeit mitbringt.
Weder in der Bedienungsanleitung meiner baby lock-Maschinen noch im „baby lock Compendium“ konnte ich Hinweise zu dieser besonders dehnbaren Naht entdecken.
Das mag daran liegen, dass es schon ein paar „Umgehungslösungen“ braucht, um diese nähen zu können. Wie wunderbar das klappt – und vor allem, wie diese Naht auf diversen baby lock-Maschinen eingefädelt wird – zeigt Manu im „baby lock-Fortgeschrittenenkurs“.
Also saß ich vor meiner Maschine, das Tablet daneben und habe mich anhand der ausführlichen Erklärungen ans Einfädeln an meiner Gloria gemacht – und die Naht war von Anfang an fast perfekt.
Auf Resten vom Zuschnitt habe ich zunächst ein paar Testnähte gemacht. Soweit sahen diese gar nicht schlecht aus, doch bei genauem Hinsehen waren die Nadelfäden recht fransig.
Nach kurzem Überlegen, woran das liegt, habe ich die 75er-Nadeln gegen 90er ausgetauscht. Durch das größere Öhr gleitet das Bauschgarn – in meinem Fall Madeira Aeroflock – geschmeidiger hindurch und ich hatte im Ergebnis eine saubere Naht.
Da der von mir verwendete Badelycra schon sehr griffig ist, kam dieser auch problemlos mit den dickeren Nadeln zurecht.
Nähen des Badeanzugs
Ich hatte mich für ein amerikanisches Schnittmuster entschieden, den „Bethany Beach Beauty Swimsuit“ von Ellie & Mac. Die Anleitung ist komplett in Englisch gehalten, praktischerweise werden jedoch sowohl imperiale als auch metrische Maße angegeben, sodass einem das Umrechnen erspart bleibt.
Den Badeanzug selbst habe ich aus dem bereits erwähnten Badelycra zugeschnitten, den Einsatz aus speziellem Badefutter. Dieses wird zunächst links auf links auf dem Vorderteil platziert, festgesteckt …
… und innerhalb der Nahtzugabe mit der Nähmaschine fixiert, damit einem später nichts verrutscht.
Als Nächstes wird das zweigeteilte Rückteil gesteckt.
Dieses wird nun an der Overlock mit der bereits vorbereiteten Superstretch-Naht zusammengenäht.
Wie du auf den Fotos sehen kannst, hat das Rückteil mittig einen „Knick“. Um diese Stelle dennoch gut nähen zu können, lege ich mir den Stoff kurz vor dem Nähfuß entsprechend gerade hin, indem ich diesen leicht nach links „rüberziehe“. So ergibt sich eine gerade Strecke, die mit der Overlock problemlos genäht werden kann. Später zieht sich der Stoff wieder in die richtige Position zurück.
Das Ergebnis ist eine wunderschöne und hochdehnbare Naht.
Nun werden Vorder- und Rückteil rechts-auf-rechts zusammengesteckt und ebenfalls mit der Superstretch-Naht genäht.
Die überstehenden Fäden im Schritt habe ich verknotet …
… und mit der Lassonadel in die Nahtzugabe gezogen. An den anderen Nahtanfängen und -enden habe ich die Fadenraupen ebenfalls in die Nahtzugaben gezogen. So ist alles gesichert und sieht sauber aus.
Gummiband an Badeanzug nähen
Bevor nun die Gummibänder angenäht werden, empfiehlt sich eine erste Anprobe. Wenn alles gut sitzt – wie es bei mir glücklicherweise der Fall war – beginnt der fuckeligste Teil dieses Nähprojekts. Ich verwende spezielles Badegummi, da dieses sowohl chlor- als auch salzwasserbeständig ist. Das Gummiband schneide ich entsprechend der Tabelle im Schnittmuster zu, lege es anschließend überlappend aufeinander und stecke es fest.
Nun geht es wieder an die Nähmaschine, um die Überlappung mit einem Zick-Zack-Stich zu fixieren. Da dieses spezielle Gummi eine ganz eigene Haptik hat, wollte mein Nähfuß dieses nicht so recht transportieren. Ich habe daher spontan zum Fuß 51 meiner Bernina 770 QE gegriffen. Mit diesem Rollenfuß konnte die Naht einwandfrei setzen.
Das Gummiband ist nun zum Ring geschlossen und kann an den Badeanzug gesteckt werden. Dabei wird das Gummiband gedehnt und entsprechend am Badelycra gesteckt. Aufgrund der recht hohen Dehnung wollten meine Klammern nicht immer halten, weshalb ich zumindest ein paar Stecknadeln verwendet habe.
Im nächsten Schritt wird das Gummiband mit einem Zick-Zack-Stich auf der linken Seite des Badeanzugs festgenäht. Dabei wird dieses so weit gedehnt, dass es flach auf dem Stoff liegt. Wichtig ist, den Stoff selbst nicht zu dehnen!
Ich achte zudem darauf, das Gummiband einen Hauch neben der Stoffkante zu führen, damit dieses später nicht übersteht.
Fertig angenäht sieht das Ganze wie folgt aus:
Im letzten Schritt wird das Gummiband nach innen eingeklappt und mit einem dehnbaren Stich gesäumt. Ich habe mich für eine schmale Covernaht entschieden, ein Zick-Zack-Stich mit der Nähmaschine wäre allerdings auch möglich.
Mein Gummiband ist 8 mm breit, also schaue ich zunächst, wo ich die Stoffkante entlangführen muss, damit die Covernaht alle Lagen sauber einfasst. Dafür lege ich mir ein Handmaß unter den Nähfuß, sodass die Nadel exakt bei 10 mm einstechen würde und schaue, wo die 8mm sind.
Entsprechend führe ich nun die Stoffkante unter dem Nähfuß und covere die Gummibänder. Ich habe übrigens Bauschgarn im Greifer, da dieses weiche Garn angenehm auf der Haut ist – und ein Badeanzug sitzt im wahren Sinne des Wortes hauteng!
Die Fadenenden verknote ich wieder und ziehe sie mit der Lassonadel unter die Naht.
Auf dem folgenden Foto siehst du einmal die Covernaht am Armausschnitt von innen und außen.
Der fertige Badeanzug
Fertig ist der Badeanzug! Ohne die Kurse von Courleys wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass meine baby lock Nähte kann, die nicht in der Anleitung stehen, und es gibt noch viel mehr solcher "nicht genannter Nähte".
Ich kann jedoch nur empfehlen, wenn man nicht die Grundeinweisung von Courleys hat, sich unbedingt diese zuerst anzuschauen, bevor man direkt in den Fortgeschrittenenkurs grätscht. Darum verlinke ich Euch mal die Seite, wo es zu ALLEN Kursen geht, die für unsere baby locks passen.
Zu den baby lock KursenWer die Grundeinweisung bereits kennt, der schaut sich gern den Fortgeschrittenenkurs an - wirklich sehr gelungen.
Zum baby lock FortgeschrittenenkursIch freue mich, dass du mich auf meiner ersten Badelycra-Nähreise begleitet hast und hoffe, ich konnte dir vielleicht die Scheu vor solch einem Projekt nehmen. Auf den folgenden Fotos siehst du zum Abschluss den fertigen Badeanzug – allerdings ist meine „Hildegard“ ein wenig breiter als ich, weshalb ich ihr das gute Stück fast nicht angezogen bekommen hätte (wollte euch aber den Anblick von mir im Badeanzug ersparen *lach*.
Viel Spaß beim Nähen eures eigenen Badeanzugs!
Liebe Grüße,
Jana






Liebe Barbara,
entschuldige die verzögerte Antwort; aufgrund meines Urlaubs komme ich erst jetzt dazu. Zunächst ein herzliches Dankeschön für deine lieben Worte! Und nun zu deiner Frage: Ich nähe die Superstretch-Naht ganz normal rechts-auf-rechts. Auf dem einen Foto mit den zusammengenähten Rückteilen siehst du die fertige Naht. Oder möchtest du etwas anderes wissen?
Liebe Grüße
Jana
Hallo Jana, Danke für den wirklich sehr interessanten und gut geschriebenen Artikel. Mich würde ein Blick auf die linke Seite Deines Badeanzugs noch interessieren. Sind die Nahtzugaben links auf lins, oder wie hast Du das gelöst? Könnest Du davon vielleicht auch noch ein paar Bilder zeigen? Vielen Dank und weiterhin gutes Gelingen Barbara