Shirt nähen mit Negativapplikation und dekorativen Flachnähten

Dieser Artikel ist ein Beitrag von unserer langjährigen Kursteilnehmerin Jana - vielen Dank, liebe Jana.

Ich nähe unheimlich gerne für meinen Sohn, der dies auch zu schätzen weiß und mitentscheidet, aus welchem Stoff was entstehen soll. Dennoch habe ich durchaus freie Hand und darf mich kreativ austoben. Es macht einfach Spaß, ein Shirt mit kleinen, feinen Besonderheiten aufzupeppen.

Diesmal habe ich mich für das Raglan-Shirt „Skagerrak“ von Carlsson Patterns entschieden (die Designerin scheint sich inzwischen in „Seamone“ umbenannt zu haben). Der coole Stoff ist ein Panel von VerNÄHbar.

Vorbereitungen

Wie auf dem Foto zu sehen, habe ich den Randstreifen des Panels abgeschnitten, da ich aus diesem eine Negativ-Applikation auf dem Vorderteil erstellen möchte. Da sich dieser am Rand arg wellt, habe ich mich dazu entschieden, den Streifen mit Vlieseline H609 zu verstärken, um mir das spätere Nähen zu erleichtern. Ich bringe Vliese jeder Art am liebsten mit meiner Textilpresse auf, die ich entsprechend der Herstellerangaben einstelle. Wenn du dich intensiver mit dieser Thematik beschäftigen möchtest, schau dir gerne den entsprechenden Kurs an.

Vorderteil eines Shirts aus einem VerNÄHbar-Panel mit dunklem Monster-Motiv und Stoffstreifen für eine Negativapplikation.
Stoffstreifen für eine Negativapplikation wird mit der HappyPress Transferpresse vorbereitet.

Im Zuge dessen habe ich auch direkt das Größenlabel auf der linken Seite des Rückteils aufgepresst. Das hält erfahrungsgemäß einfach besser, als dieses nur aufzubügeln.

Materialien für ein Shirt mit Negativapplikation: Vorderteil, Rückteil und bedruckter Stoffstreifen.

Während die aufgebügelte Vlieseline nun erstmal in Ruhe auskühlen und sich mit dem Stoff verbinden kann, bügle ich schon einmal sämtliche Saumkanten 2 cm um. Das erleichtert mir später das Säumen des Shirts ungemein!

Saumkante eines Shirts wird mit Bügeleisen und modii Kantenformer exakt umgebügelt.

Auch das Halsbündchen bügle ich der Länge nach mittig. So verrutschen mir später beim Annähen die einzelnen Lagen nicht.

Halsbündchen für ein Shirt wird vor dem Annähen sorgfältig mit dem Bügeleisen vorbereitet.

Overlock-Einstellungen für die Flachnaht

Nachdem diese Vorbereitungen getroffen sind, kümmere ich mich um die korrekten Einstellungen für die 2-Faden-Flachnaht. Mit dieser möchte ich unter anderem die zweigeteilten Raglan-Ärmel zusammennähen.

Zu diesem Thema gibt es gleich mehrere ausführliche Kurse, ich verlinke dir hier die Komplettpakete.

Die Flachnähte der baby lock Die Flachnähte der Overlock

Da bei der Flachnaht die Nahtzugaben wieder auseinandergezogen werden, ist es wichtig zu schauen, wieviel Stoff abgeschnitten werden muss, damit nur die vom Schnitthersteller vorgesehene Nahtzugabe übrig bleibt. Ansonsten würde die Passform des Kleidungsstücks verfälscht. Ich weiß bei meinen Maschinen inzwischen genau, wo ich den Stoff entlang führen muss, damit alles passt.

Hier für dich ein Tipp: Schneide dir aus Resten vom Zuschnitt zwei gleichgroße Quadrate zu – in diesem Fall 10 x10 cm.

Zwei Stoffquadrate werden für eine Probenaht der Flachnaht Overlock vorbereitet.
Nach dem Zusammennähen und Auseinanderziehen der Flachnaht dürfen nur 18,6 cm übrigbleiben (20 cm für beide Stoffstreifen abzüglich insgesamt 1,4 cm Nahtzugabe), damit die Nahtzugabe von jeweils 7mm korrekt eingehalten ist. Das ist bei meinen Baby Lock-Maschinen der Fall, wenn ich den Stoff exakt an der Metallkante entlang führe (s. Spitze der Pinzette auf dem folgenden Foto).
Stoff wird an der Overlock für die Flachnaht geführt, um die richtige Nahtbreite einzuhalten.

Dabei werden ca. 3,5 mm Stoff abgeschnitten.

Die Overlock schneidet beim Nähen der Flachnaht einen schmalen Stoffstreifen ab.

So kommen die beiden Stoffstücke aus der Maschine …

Linke Seite einer genähten Flachnaht Overlock mit sichtbarer Naht auf hellem Stoff.

… und sehen auseinandergezogen wie folgt aus:

Auseinandergezogene Flachnaht Overlock mit dekorativer Leiteroptik auf dunklem Stoff.
Wie du siehst, ist die Nahtzugabe damit exakt eingehalten und ich kann mich ans Zusammennähen der Ärmel machen.

Ärmel mit Flachnaht an der Overlock nähen

Die Raglan-Ärmel bestehen beim „Skagerrak“ aus zwei Teilen, was für eine besonders gute Passform sorgt.
Zwei zugeschnittene Raglanärmel-Schnittteile für ein Shirt mit Flachnaht Overlock liegen auf einer Schneidematte.

Nachdem die beiden Ärmel-Teile gut geklammert sind, geht es an die Overlock. Da ich die „Leiter“ der Flachnaht auf der rechten Seite sehen möchte, habe ich Madeira Aeroflock im Nadelfaden und Aerolock im Untergreifer eingefädelt. Die Stichlänge habe ich auf 3 eingestellt.

Raglanärmel wird an der baby lock Gloria für eine dekorative Flachnaht Overlock vorbereitet.

Zieht man die Naht auseinander, wird das Besondere an diesem zweigeteilten Raglan-Ärmel ersichtlich, denn durch den integrierten Abnäher legt sich der Bereich, der später auf der Schulter liegt, bereits rund.

Genähte Flachnaht Overlock am Raglanärmel mit dekorativer hellblauer Leiteroptik.

Negativapplikation nähen

Nun kommen wir zum besonders spannenden Teil: der Negativapplikation. Zum Thema „Applizieren mit der Cover“ gibt es auch einen ganz tollen Kurs, in dem alles detailliert gezeigt und erklärt wird.

Als erstes schneide ich den mit Vlieseline stabilisierten Randstreifen zurecht.

Bedruckter Stoffstreifen wird mit Rollschneider und Lineal für die Negativapplikation zugeschnitten.

Nun bestimme ich die Position auf dem Vorderteil, sodass der Text des Randstreifens bestmöglich zur Geltung kommt.

Position des Stoffstreifens für die Negativapplikation wird auf dem Shirt-Vorderteil bestimmt.
Auf der linken Seite des Randstreifens markiere ich mir die genaue Position …
Die Position für die Negativapplikation wird mit einem Markierstift auf dem Stoffstreifen angezeichnet.

… denn nun muss der Streifen auf der linken Seite des Vorderteils fixiert werden. Dafür verwende ich Sprühzeitkleber, den ich – fernab von meinen Maschinen in einem aufgeschnittenen Pappkarton! – links auf rechts (rechte Seite vom Streifen liegt auf der linken Seite vom Vorderteil)  aufbringe.

Stoffstreifen für eine Negativapplikation wird mit Sprühzeitkleber auf der linken Stoffseite vorbereitet.

Anschließend wird der Streifen anhand der zuvor gesetzten Markierungen auf der linken Seite des Vorderteils platziert und mit der Cover festgenäht. Dabei am Nahtanfang einen Stoffstreifen als „Hebamme“ unterlegen, damit der Nähfuß gerade aufliegt.

Stoffstreifen für die Negativapplikation wird mit der Cover angenäht, mit Stoffstreifen als Hebamme am Nahtanfang.

Sind beide Seiten des Randstreifens auf diese Weise festgenäht, müssen die mit dem Sprühzeitkleber fixierten Stoffe voneinander getrennt werden. Das geht wunderbar mit einem Essstäbchen oder etwas ähnlichem.

Die fixierten Stofflagen der Negativapplikation werden nach dem Annähen vorsichtig mit einem Stäbchen gelöst.
Anschließend kann die obere Stofflage vorsichtig mit einer Applikations-Schere entlang der Covernaht weggeschnitten – und so der Randstreifen freigelegt – werden.
Ist das nicht ein toller Effekt?
Obere Stofflage wird mit einer Applikationsschere entlang der Covernaht für die Negativapplikation weggeschnitten.
Detailbild einer Negativapplikation am Shirt mit freigelegtem Stoffstreifen und türkisfarbener Covernaht.

Ärmel annähen und Seitennähte schließen

Nun werden die Raglan-Ärmel an das Vorderteil genäht und abgesteppt. Für letzteres verwende ich den schmalen Coverstich und schlicht dunkelgraues Garn. Beim Annähen der Ärmel an das Rückteil verfahre ich genauso.

Raglanärmel wird an ein Shirt mit Negativapplikation und dekorativer Flachnaht Overlock angenäht.

Beim Schließen der Seitennähte muss für ein sauberes Ergebnis darauf geachtet werden, dass die Raglannähte exakt aufeinandertreffen. Dafür klammere ich die Stofflagen mit sogenannten „Gabelnadeln“ fest. Wichtig: diese dürfen natürlich nicht unters Messer der Overlock geraten, daher kurz vorher vorsichtig aus dem Stoff ziehen!

Seitennähte eines Shirts werden vor dem Nähen mit Klammer fixiert, damit die Nähte exakt aufeinandertreffen.

Belohnt wird man für diesen kleinen Mehraufwand mit perfekt aufeinandertreffenden Nähten. Der Monk in mir freut sich jedes Mal wieder darüber!

Perfekt aufeinandertreffende Covernähte an der Seitennaht eines Shirts mit Negativapplikation.

Halsbündchen mit Flachnaht annähen

Als nächstes nähe ich das bereits zum Ring geschlossene Halsbündchen mit der 2-Faden-Flachnaht an.
Halsbündchen wird mit der 2-Faden-Flachnaht Overlock an ein Shirt angenäht.

Bedenke dabei, dass bei gleicher Stichlänge die Stiche dennoch näher beieinander liegen, da das Bündchen beim Annähen gedehnt wird. Mir persönlich gefällt das Ergebnis. Du kannst aber auch die Stichlänge anpassen, um einen größeren Abstand zu erzielen.

Detail einer türkisfarbenen Flachnaht Overlock am schwarzen Halsbündchen eines Shirts.

Zu guter Letzt covere ich die bereits vorgebügelten Säume und fertig ist das Shirt!

Saum eines Shirts mit Negativapplikation wird mit der Covermaschine sauber gecovert.

Das fertige Shirt mit Negativapplikation und Flachnähten

Ich hoffe es hat dir Spaß gemacht, mich beim Nähen zu begleiten. Und noch mehr hoffe ich, dass ich dich inspirieren konnte! Mit einfachen Mitteln wie einer Flachnaht kann man grandiose Effekte erzielen – auch (oder gerade!) wenn man keine Covermaschine besitzt.

Nun folgen noch ein paar Fotos vom fertigen Shirt:

Fertiges Shirt mit Negativapplikation, Monster-Panel und dekorativer Flachnaht Overlock am Halsausschnitt.
Seitenansicht eines fertigen Shirts mit Negativapplikation und türkisfarbener Flachnaht Overlock.
Detail der fertigen Negativapplikation am Shirt mit Schriftstreifen und türkisfarbenen Covernähten.
Halsausschnitt eines Shirts mit schwarzem Bündchen und dekorativer türkisfarbener Flachnaht Overlock.
Detail von Halsausschnitt und Raglanärmel mit türkisfarbener Flachnaht Overlock am fertigen Shirt.

Hast Du Lust auch ein Shirt mit einer Negativapplikation zu nähen?
Dann schau Dir unbedingt den Kurs "Applizieren mit der Cover" an.

Hier geht es zum Kurs

Jetzt wünsche ich Dir ganz viel Spaß beim Nähen.

Ganz liebe Grüße,
Deine Jana

4 Meinungen zu “Shirt nähen mit Negativapplikation und dekorativen Flachnähten

  1. Jana sagt:

    Liebe Eva,

    Vielen Dank für dein liebes Feedback! Ich freue mich so sehr, dass ich dich motivieren konnte, dich wieder intensiver mit der Flachnaht auseinanderzusetzen. Das ist so toll! Ich wünsche dir ganz viel Spaß dabei und vielleicht magst du die Ergebnisse in der Facebook-Gruppe von Courleys zeigen 🙂

    Liebe Grüße
    Jana

  2. Eva sagt:

    Liebe Jana, vielen Dank für Deine sehr ausführliche Beschreibung der einzelnen Schritten. Den Kurs habe ich schon lang, aber die Flachnaht zu wenig umgesetzt. Du hast mich motiviert, es wieder mal auszuprobieren. Dein Sohn ist sicher stolz auf das sehr individuelle Shirt.

    Liebe Grüße Eva

  3. Jana sagt:

    Liebe Gerlind,

    ich danke dir herzlich für dein liebes Feedback! Ich freue mich, dass dir sowohl das Shirt als auch meine Erklärungen gefallen und ich bei dir die Lust geweckt habe, dich (wieder) mit den verschiedenen Techniken auseinanderzusetzen. Unsere feinen Maschinen können so viel mehr, als „nur geradeaus“ nähen! Viel Freude dabei!

    Ganz liebe Grüße
    Jana

  4. Gerlind sagt:

    Liebe Jana,
    danke, für diesen tollen Beitrag. Da ist dir ein superschönes Shirt gelungen, dass dein Sohn mit Sicherheit sehr gerne tragen wird. Unverwechselbar und mit vielen kreativen Highlights! Danke, für diese ausführlichen Erklärungen, die Lust darauf machen, das Shirt zu nähen und auch mal wieder die verschiedenen Techniken anzuwenden.
    Liebe Grüße
    Gerlind

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