Dieser Artikel ist ein Beitrag von unserer langjährigen Kursteilnehmerin Jana Trautmann - vielen Dank, liebe Jana.
Nähen für Männer kann durchaus eine Herausforderung sein – auch in Bezug auf den Stoffkauf. Immer langweilig uni soll es nicht sein, aber ansprechende Stoffdesigns für den Mann zu finden ist nicht unbedingt einfach.
Mein Mann wird gerne von mir benäht und sucht sich die Stoffe auch selbst aus – vor allem maritim oder mit nordischen Motiven. In diesem Fall ist es ein eher schlichtes Design mit dem gewissen Etwas geworden, wobei der Stoff nun schon eine Weile in meinem Nähzimmer gereift ist, bevor mir der passende Schnitt dafür in die Hände gefallen ist. Zugegebenermaßen war mein Mann zunächst skeptisch ob eines Sakkos aus – in diesem Fall – French Terry, ist im Nachhinein jedoch sowohl von der Passform, als auch dem Tragekomfort begeistert.
Entschieden hatte ich mich für das Sweatshirt-Sakko von Evli‘s Needle, das Dennis auch im entsprechenden Kurs genäht hat.
Die Sache mit dem Zuschnitt
Immer wieder landen gestreifte oder karierte Stoffe in meinem Warenkorb, weil ich diese einfach schön finde. Und jedes Mal fluche ich beim Zuschnitt, denn bei diesen Stoffen ist ein korrektes Ausrichten der einzelnen Schnittteile maßgeblich für ein sauberes Ergebnis.
Doch nicht nur das Design, auch der Fadenlauf möchte beim Zuschnitt beachtet werden, damit sich beim Tragen nichts verzieht. Ein kleiner Trick ist es, sich markante Punkte – wie zum Beispiel Knipse – zu suchen und diese passgenau auf dem Stoff zu platzieren. So kann der Zuschnitt allerdings gefühlt schon einmal länger dauern als das anschließende Nähen 😉 Das Ergebnis entlohnt jedoch für die Mühe!
Flachnähte
Bei der Wahl der Stiche bin ich von den Ideen, die Dennis während des Kurses präsentiert, durchaus abgewichen. So wollte ich das geteilte Rückteil mit der 2-Faden-Flachnaht und einem Bauschgarn zusammennähen. Wie genau Flachnähte genäht werden, welche Arten von Flachnähten es gibt und wo man diese überall einsetzen kann, erfährst du in diesen Kursen:
Bei einer Flachnaht werden die zusammengenähten Stoffe anschließend auseinandergezogen. Daher ist es wichtig, vorab an Stoffresten vom Zuschnitt zu überprüfen, wie viel beim Zusammennähen weggeschnitten werden muss, damit hinterher alles passt. Anfangs ist sicherlich ein wenig experimentieren nötig, ich kenne meine Maschinen inzwischen jedoch so gut, dass ich genau weiß, wie ich den Stoff führen muss.
Ein kleiner Tipp für dich: schneide dir zwei Stoffquadrate von z.B. 7 x 7 cm zu, nähe diese mit der Flachnaht zusammen, ziehe die Stoffe auseinander und schaue, wie groß das Stoffstück nun ist. Bei der in diesem Schnitt enthaltenen Nahtzugabe von 1,0 cm darf das Stoffstück nach dem Zusammennähen nur 12 cm breit sein. Das ist bei meiner baby lock Gloria der Fall, wenn ich bei einer Nahtbreite von 7,0 mm die Stoffe entlang der weißen Kante führe, die ich auf dem folgenden Foto mit der Pinzette zeige. Such dir bei deiner Maschine am besten auch einen markanten Punkt, an dem du den Stoff entlangführen kannst.
Nun wird so viel Stoff abgeschnitten, dass nach dem Auseinanderziehen der Stoffstücke exakt 12 cm von den zuvor 14 cm (beide Stoffstücke zusammengenommen) verbleiben.
Damit ist die Nahtzugabe exakt eingehalten und ich kann mich ans Zusammennähen der Rückenteile machen.
Covern mit Deckstich
Beim Zuschnitt der Stoffe hatte ich spontan die schmalen Teile der Ärmel aus schwarzem French Terry zugeschnitten, da ich unbedingt mit dem Deckstich meiner baby lock Primo arbeiten wollte. Dieser wäre auf dem gemusterten Stoff jedoch nicht so schön zur Geltung gekommen. Konsequenterweise mussten nun auch die Seitenteile des Rückteils neu zugeschnitten werden, damit das Ganze stimmig wirkt.
Mir kommen während des Nähens öfter ungeplante Ideen in den Kopf, die den ursprünglichen Plan durchaus über den Haufen werfen können. Damit hatte ich für die mühevoll vom Muster exakt zugeschnittenen Seitenteile keine Verwendung mehr, bin aber froh, mich umentschieden zu haben.
Wie bereits erwähnt beträgt die Nahtzugabe bei diesem Schnitt 1,0 cm, ich nähe mit einer Overlock jedoch mit 7,0 mm Breite, weshalb 3,0 mm weggeschnitten werden müssen, damit der Schnitt nicht größer wird als vorgesehen. Das passt bei meiner Baby Lock Gloria genau, wenn ich die Stoffe entlang der Kante führe.
Während des Nähens kommt meine Dampfbügelstation sehr viel zum Einsatz. An der Aussage „Gut gebügelt ist halb genäht“ ist wahrlich etwas dran!
In diesem Fall wird die Nahtzugabe der Seitenteile eigentlich Richtung Rückteil gebügelt, da ich die Covernaht jedoch auf dem schwarzen Stoff nähen möchte, damit diese ihre Wirkung voll entfalten kann, habe ich die Nahtzugabe in die andere Richtung gebügelt. Dabei ergibt sich eine in das Armloch ragende Kante, die jedoch beim Einnähen des Ärmels mit der Overlock einfach weggeschnitten wird.
Für den Deckstich habe ich mich für Madeira Frosted Matt in Orange und Anthrazit entschieden, um die Farben vom gemusterten Stoff aufzugreifen.
Die baby lock Primo verfügt über einen einzigartigen, patentierten Pendelfuß, der ganz wunderbare Deckstich-Varianten ermöglicht. Nachdem ich mir die Maschine im Dezember 2025 gekauft hatte, habe ich mir direkt die Maschineneinweisung von Courleys in den Warenkorb gelegt und kann diese jedem ans Herz legen.
Praktischerweise gibt es für die Primo verschiedene Einsätze für den Pendelfuß, sodass perfektes Covern ein Kinderspiel ist.
Ist das Ergebnis nicht ein Träumchen?
Die offenen Kanten versäubern
Die aus zwei Teilen bestehenden Ärmel habe ich auf dieselbe Weise genäht und gecovert. Inzwischen habe ich auch die Vorderteile an den Schultern mit dem Rückteil zusammengenäht. Dennis zeigt im Kurs die einzelnen Schritte ganz genau. Nun konnte ich die Ärmel einnähen und dabei die bereits erwähnten durch die Nahtzugabe entstandenen Kanten abschneiden.
Das Vorderteil wird doppellagig genäht, sodass beim Umklappen der Vorderteile mit dem Kragen ein schöner Effekt entsteht. Nun müssen die beiden Lagen der Vorderteile natürlich miteinander verbunden werden, wobei es unzählige Möglichkeiten gibt, dies zu tun. Ich habe an Stoffresten zunächst verschiedene Stiche getestet und mich letztendlich für den sogenannten Wollstich entschieden.
Dieser Dekorativstich kommt ausschließlich als Kantenabschluss zum Einsatz, beispielsweise an Fleece oder Walkstoffen. Bei diesem Sakko macht er aber auch eine sehr gute Figur, wie ich finde! Verwendet habe ich dasselbe Bauschgarn wie bei der Flachnaht am Rückteil, allerdings diesmal sowohl in der Nadel als auch im Greifer. Das Rückteil und den Ärmelsaum habe ich auf dieselbe Weise versäubert.
Da das Sakko nicht gesäumt wird, sondern mit den dekorativen Kantenabschlüssen endet, ist es besonders wichtig, beim Zusammennähen der Seitennähte auf einen perfekt geraden Abschluss zu achten. Ich habe die Stofflagen daher am Ende mit der Pinzette zusammengehalten und langsam in den Nähfuß laufen lassen. Achte unbedingt darauf, mit der Pinzette nicht unter das Messer zu geraten – das würde diesem gar nicht gut bekommen!
Das Ergebnis ist ein Übergang, der das Herz eines jeden Perfektionisten höherschlagen lässt. Ich persönlich finde es immer wichtig, mir mit diesen Details Zeit zu lassen.
Der Kragen mit Kettstich
Nun fehlt nur noch der Kragen, der bei diesem Schnitt offenkantig verarbeitet wird. Ich habe mich für den Kettstich mit Deckstich entschieden, sodass ich wieder die beiden bereits verwendeten Madeira Frost-Garne aufgreifen konnte.
Mit der Primo kann man auch wunderbar um die Ecke covern, ohne dass es einen Fehlstich gibt. Langsames und genaues Arbeiten ist dabei zwingend nötig!
Die überstehenden Fäden habe ich zwischen die beiden Stofflagen gezogen und dort verknotet.
Der auf diese Weise fertiggestellte Kragen wird anschließend – ebenfalls offenkantig – an den Halsausschnitt gesteckt und festgenäht. Ich habe die Naht konsequenterweise mit dem Kettstich fortgeführt.
Zu guter Letzt habe ich die überstehenden Kanten noch ein wenig mit der Applikationsschere bearbeitet. Ein kleiner Hinweis an dieser Stelle, da ich mir dessen auch erst im Nachhinein bewusst geworden bin (dies bei diesem Sakko im Used-Look jedoch nicht allzu dramatisch finde): bei einem bedruckten Stoff sieht man an einigen Stellen die weiße Rückseite. Bei einem durchgefärbten Stoff würde das nicht so ins Auge fallen.
Mein Sohn hat nun ebenfalls Bedarf an einem solchen Sakko angemeldet, was mich natürlich sehr freut.
Hier noch ein paar Fotos des fertigen Sakkos.
Willst Du dir auch ein Sweatshirt-Sakko nähen? Hier geht es zum Kurs mit Dennis
Sweatshirt-Sakko nähen





Liebe Annette,
auch dir möchte ich ganz herzlich für dein wundervolles Feedback danken! Ich freue mich, dass dir nicht nur das Sakko gefällt, sondern auch meine Änderungen und Beschreibungen dazu. Danke!
Liebe Grüße
Jana
Liebe Gerlind,
ich danke dir ganz herzlich für deinen lieben Kommentar und freue mich sehr, dass du den Blogbeitrag gelungen und hilfreich findest! Ich wünsche dir viel Freude beim Nähen dieses Projekts – es macht unheimlich viel Spaß.
Liebe Grüße
Jana
Hallo Jana,
Wow, das ist echt ein tolles Sakko👌.
Ich finde es auch sehr schwierig für Männer passende Stoffe zu finden. Der Stoff ist echt klasse👏.
Der hätte meinem Mann auch gefallen😉.
Ich habe den Sakko für mich schon 3x genäht. Das ist ein toller Kurs.
Deine Änderungen und deine Beschreibung finde ich auch toll.
Einfach wieder ein toller Blogbeitrag🥳
Liebe Grüße
Annette
Ich bin begeistert – liebe Jana, da ist dir ein wirklich super Blogbeitrag gelungen mit einem sehr individuellen Stoff für ein tolles Projekt, das bei mir auch noch in der Projektschleife ruht. Das Sakko ist wirklich perfekt geworden und deine Erklärungen sind ein super Ergänzung zum Courleys Kurs zum Sakko. Vielen Dank dafür.
Liebe Grüße Gerlind