Dieser Artikel ist ein Beitrag von unserer langjährigen Kursteilnehmerin Jana - vielen Dank, liebe Jana.
Meist nähe ich aus Wirkware, vor allem Jersey und French Terry. Doch diesmal habe ich mich für einen Schnitt entschieden, der aus Webware genäht wird.
Praktischerweise hatte ich aus einem einige Jahre zurückliegenden Probenähen noch einen passenden Stoff hier liegen. Bei der Bluse „Shantelle Shirred“ von Ellie & Mac hat mir besonders gefallen, dass diese gesmoked wird. Da es jedoch eine Weile zurücklag, dass ich diese Technik angewandt habe, habe ich mir zunächst den Kurs „Smoken mit Nähmaschine und Cover“ angeschaut, um mir die Vorgehensweise in Erinnerung zu rufen.
Wie schön, dass man die Kurse von Courleys immer wieder anschauen kann und so direkt zu einem perfekten Ergebnis kommt, ohne vorab viel herumprobieren zu müssen!
Vorbereitungen für das Smoken
Nachdem ich die einzelnen Schnittteile aus der Viskose-Webware zugeschnitten habe, habe ich zunächst die Unterfadenspulen meiner Bernina 770 QE vorbereitet und den Gummifaden per Hand aufgewickelt. Dank Dennis‘ Erklärung im zuvor erwähnten Kurs hat dies auf Anhieb wunderbar geklappt.
Grundsätzlich sollte Webware vor dem Nähen versäubert werden, da sie zum Ausfransen neigt. Dafür kann beispielsweise die Overlock verwendet werden. Im Kurs „Bluse Miriam“ wird darauf auch ausführlich eingegangen.
Allerdings hat der Schnittdesigner bei zarten Stoffen - wie der von mir verwendeten Viskose-Webware - davon abgeraten, da diese zum Verziehen neigen. Stattdessen sollen die Schnitteile erst zusammengenäht und anschließend versäubert werden. Da ich die Bluse erstmalig genäht habe, habe ich mich natürlich an die Empfehlung gehalten.
Wie ich feststellen musste, verrutscht der Stoff wirklich sehr schnell, sodass ich diesen vorm Einzeichnen der Smoke-Linien zunächst penibel an den Linien auf meiner Schneidematte ausgerichtet habe.
Anschließend habe ich das Schnittmuster auf den zugeschnittenen Stoff aufgelegt und mit meinen Nähgewichten beschwert, da schon ein schiefes Angucken dazu geführt hat, dass der Stoff sich wieder verzogen hat 😮
Dann habe ich die Smoke-Linien mit einem Kreiderädchen-Stift auf der rechten Stoffseite markiert. Da der Stift dank des Rädchens wunderbar über den Stoff gleitet, hat sich dieser dabei nicht verzogen.
Anschließend habe ich die Markierungen mit einem Quiltlineal verbunden.
Tunnel für Gummiband nähen
Als Nächstes wird die obere Kante des Vorderteils mit der Overlock versäubert.
An sich genügt dafür eine schmale Overlocknaht, allerdings habe ich mich nach ungefähr drölfzig Testnähten für die breite Naht entschieden, da ich bei diesem Stoff mit der schmalen Variante partout kein sauberes Ergebnis hinbekommen habe. Den Differential habe ich auf 0,6 eingestellt, den Stichauswahlhebel auf A und die Stichbreite auf 7,0 mm.
Der flutschige Stoff muss dabei mit beiden Händen gut mitgeführt werden. Das Ende habe ich so lange wie möglich mit der Pinzette festgehalten, damit es nicht rausrutscht.
Anschließend wird die versäuberte Kante 2,5 cm umgebügelt.
Mit ca. 13 mm Abstand zur Kante wird nun mit einem Geradstich genäht (die etwas seltsamen Maße beruhen darauf, dass es sich um einen amerikanischen Schnitt mit imperialen Maßangaben handelt).
Dafür habe ich den Nähfuß um 3 Punkte nach links verschoben. Dieser Abstand sorgt später für einen sehr schönen Rüschen-Effekt!
Am Nahtanfang lege ich eine sogenannte Hebamme unter, um der Maschine das Nähen leichter zu machen. Dafür kann man – wie in meinem Fall – einfach einen Stoffrest oder ähnliches verwenden.
Nun wird eine zweite Naht mit demselben Abstand zur ersten Naht gesetzt.
Damit ich mir sicher bin, die versäuberte Stoffkante auch wirklich zu treffen, nähe ich diesmal von der linken Seite. Da bei meiner Bernina das Nahtbild von beiden Seiten gleich sauber ist, stellt dies kein Problem dar.
Zwischen diesen beiden Nähten wird nun ein Gummiband mit 10 mm Breite eingefädelt. Ich verwende dafür eine spezielle Nadel, wobei ich leider nicht weiß, ob diese einen expliziten Namen hat.
Damit lässt sich das Gummiband wunderbar einziehen. Dennoch sollte darauf geachtet werden, dass sich dieses zwischen den Stofflagen nicht verdreht!
Ist das Gummiband komplett eingezogen, wird dieses am Anfang und am Ende mit ein paar Stichen fixiert. Anschließend werden diese Schritte beim Rückteil wiederholt. So schaut das Ergebnis aus:
Ich habe das Vorderteil mit einer grünen Klammer markiert, um nichts zu verwechseln. Der einzige Unterschied zwischen diesen beiden Schnittteilen ist nämlich die Breite!
Nun geht's endlich ans Smoken
Zunächst wird die vorbereitete Unterfadenspule in die Maschine eingesetzt. Dabei den Gummifaden nicht mit dem integrierten Messer kürzen, sondern mit ausreichend Länge lose in der Maschine liegen lassen.
Anschließend wird der Gummifaden mit dem Handrad nach oben geholt und nach hinten weggezogen. Es muss ausreichend Faden überstehen, um diesen verknoten zu können.
Bevor ich mich an die Bluse mache, nähe ich auf Stoffresten vom Zuschnitt Testnähte, um die Fadenspannung zu kontrollieren. Wie man diese bei Bedarf anpasst, erläutert Dennis im entsprechenden Kurs natürlich ganz genau. Die Stichlänge habe ich auf 4,0 eingestellt.
Da die Nähte auf Anhieb meinen Vorstellungen entsprechen, nehme ich mir das Vorderteil meiner Bluse und nähe entlang der in der Vorbereitung eingezeichneten Smoke-Linien. Dabei starte ich mit der obersten Linie. Nachdem diese fertig genäht ist, verknote ich die Fäden am Nahtanfang und -ende.
Da ich mich für alle fünf Smoke-Linien entschieden habe (der Schnitt sieht auch Varianten mit weniger vor), wird im nächsten Schritt mit knappem Abstand eine zweite Naht direkt neben die erste gesetzt. Dabei versetze ich die Nadel maximal nach rechts und führe den Nähfuß entlang der vorherigen Naht.
Der Stoff muss schön glattgezogen werden, da er sich durch die erste Naht bereits deutlich kräuselt.
Das Ganze wiederhole ich bei allen fünf eingezeichneten Linien. So schaut das Ganze nun aus:
Auch diese Schritte werden beim Rückteil wiederholt.
Zusammennähen von Vorder- und Rückteil
Im nächsten Schritt werden Vorder- und Rückteil an den Seiten zusammengesteckt.
Dabei werden die Smoke-Nähte aneinander ausgerichtet, sodass wir ein sauberes Ergebnis bekommen. Nun können die Seitennähte mit der Nähmaschine geschlossen werden.
Unbedingt daran denken, die Unterfadenspule gegen eine mit normalem Nähgarn auszutauschen!
Anschließend wird das Ganze mit der Overlock versäubert.
Zugegebenermaßen sieht das Ganze aktuell sehr seltsam aus 🙂
Ärmel nähen
Die Ärmel sehen zunächst recht unförmig aus, werden in den nächsten Schritten jedoch wunderbar in Form gebracht. Wie schon beim Vorder- und Rückteil wird zunächst die Smoke-Linie auf der rechten Stoffseite eingezeichnet. Die obere Kante wird mit der Overlock versäubert und 1,5 cm umgebügelt. Anschließend wird die Naht abgesteppt, um einen Tunnel zu nähen
In diesen Tunnel wird ebenfalls ein Gummiband eingezogen und fixiert. Natürlich werden all diese Schritte an beiden Ärmeln vorgenommen.
Wie schon zuvor genau gezeigt, wird entlang der eingezeichneten Smoke-Linie mit Stichlänge 4 und Gummifaden im Unterfaden genäht. Unbedingt darauf achten, ob die Spule noch voll genug ist, ansonsten auf eine zweite vorbereitete Spule wechseln. Diesmal werden drei Linien knapp untereinander genäht, sodass ein schöner Smoke-Effekt entsteht.
Anschließend wird der untere Ärmelsaum mit der Overlock versäubert und die Naht nach innen umgebügelt.
Im nächsten Schritt muss der Saum ein weiteres Mal nach innen umgebügelt werden. Da sich dieser jedoch so enorm wölbt, habe ich nach einigem Herumprobieren zu einem Trick gegriffen und den Saum auf Spannung mit Gabelnadeln am Bügelbrett fixiert.
Nun ließ sich das Ganze wunderbar umbügeln.
Beim nächsten Mal würde ich die Säume erst bügeln und dann smoken.
Die letzten Nähte
So langsam nähern wir uns dem Abschluss des Projekts. Die Ärmelnaht habe ich inzwischen geschlossen und den zuvor umgebügelten Saum mit der Nähmaschine und einem Geradstich abgesteppt. Nun werden die Ärmel am Vorder- und Rückteil festgesteckt.
Nachdem die Ärmel eingenäht sind, werden die Fadenraupen noch in die Naht gezogen. Dabei möchte ich meine Lassonadeln wahrlich nicht mehr missen!
Nun fehlt nur noch der Saum. Dieser wird ebenfalls versäubert und zweimal umgebügelt, sodass wir ein besonders sauberes Ergebnis nach dem Absteppen mit der Nähmaschine erzielen.
Last but not least darf ein Weblabel nicht fehlen – allein schon deshalb, damit ich weiß, wo bei der Bluse vorne ist *lach*
Ich hoffe, ich kann dich mit diesem Beitrag motivieren, dich auch einmal am Smoken zu versuchen. Der Effekt ist so toll! Vielen Dank auf jeden Fall, dass du mich (erneut) auf meiner kleinen Näh-Reise begleitet hast. Diese möchte ich mit Fotos von der fertigen Bluse beenden.
Ganz liebe Grüße,
Deine Jana





