Dieser Artikel ist ein Beitrag von unserer langjährigen Kursteilnehmerin Jana - vielen Dank, liebe Jana.
Weihnachten kommt jedes Jahr so plötzlich und dann artet das Ganze gerne mal in Stress aus. Ganz schnell stellt man sich die Frage „Was soll ich bloß wieder schenken?“ Dabei macht Schenken Spaß und noch schöner ist es, wenn es selbstgemachte Geschenke sind. In unserem Fall sind die Geschenke sogar selbst genäht. Daher möchte ich dir heute fünf (mal mehr, mal weniger) schnell genähte Geschenkideen zeigen, die auch Nähanfänger umsetzen können. Vielleicht ist die eine oder andere Inspiration dabei – ich würde mich freuen!
Noch ein wichtiger Hinweis. Bei jeder Geschenkidee gibt es auch Hinweise zu Nähutensilien. Falls Ihr einen bestimmten Nähfuß nicht habt, könnt ihr das auch mit dem Fuß an eurer Maschine machen. Natürlich erleichtert Euch ein Reißverschlussfuß die Arbeit, aber nicht jeder hat einen. Wenn Ihr Nähanfänger seid, dann schaut Euch mal das Material bei Eurer Nähmaschine an. Oftmals werden diverse Füße schon mitgeliefert.
Dann wünsche ich Euch ganz viel Spaß beim Nähen!
Kurz zusammengefasst - Das erwartet dich im Artikel
1. Schlüsselband nähen – eine schnelle Geschenkidee aus Stoffresten
Ein selbstgenähtes Schlüsselband ist nicht nur ein Klassiker, sondern auch eine praktische Geschenkidee. Es ist extrem schnell gemacht und dennoch eine schöne kleine Aufmerksamkeit. Ich möchte dir zeigen, wie ich dieses – statt aus Gurtband – aus Stoffresten und Bundfix anfertige.
Materialliste
- Baumwollstoff 7,0 x 24,0 cm
- Schlüsselring-Rohling
- Bundfix 7,0 x 24,0 cm
Was ist Bundfix?
Ein stabiles, aufbügelbares Verstärkungsband, welches dem Stoff mehr Festigkeit und Stand gibt.
Welche Nähutensilien benötige ich für das Schlüsselband?
- 80er Universalnadel
- Schmalkantfuß
- Bügellineal
- Schlüsselband-Zange (Kombizange)
- Hebamme (Stoffrest)
Material & Zuschnitt für das Schlüsselband
Ich schneide mir einen Stoffstreifen aus Baumwoll-Webware mit den Maßen 7,0 x 24,0 cm zu, wobei die Länge dem persönlichen Geschmack angepasst werden kann. Die Breite muss jedoch bei 7,0 cm bleiben, damit diese zum 70 mm Bundfix und auch später zum Schlüsselring-Rohling passt.
Das Bundfix schneide ich entsprechend des Stoffstreifens zu, in diesem Fall also 24 cm lang. Dieses lege ich mit der glänzenderen Seite (der Klebeseite) auf die linke Seite des Stoffs und bügle es gemäß Herstellerangaben auf.
Anschließend lasse ich das Ganze etwas ruhen, damit sich der Kleber gut mit dem Stoff verbinden kann. Andernfalls kann es passieren, dass sich das Bundfix stellenweise wieder löst.
Im nächsten Schritt werden die kurzen Seiten jeweils 1 cm umgebügelt. Ich nehme dazu gerne ein Bügellineal zu Hilfe.
Die lange Seite kann nun gemäß der Perforierungen des Bundfix eingeschlagen werden. Zunächst werden die beiden schmalen Bereiche nach innen gebügelt …
… anschließend folgt die mittlere Perforierung.
Ich stecke die offene Kante zusammen und steppe einmal rundherum ab. Dabei verwende ich eine 80er Universalnadel.
Kanten steppen mit dem Schmalkantfuß
Theoretisch würde es natürlich genügen, die drei offenen Kanten abzusteppen. Gleichmäßiger wirkt es jedoch, wenn komplett rundherum genäht wird. Dabei ist der Schmalkantfuß eine große Hilfe, da der Abstand zum Rand perfekt eingehalten werden kann. Ich habe meine Nadel um drei Punkte nach links versetzt und die Stichlänge auf 3,0 erhöht. Zudem fange ich in diesem Fall an der kurzen Seite mit dem Nähen an, da diese später in der Befestigung des Schlüsselring-Rohlings verschwindet.
Ein Stoffrest – eine sogenannte „Hebamme“ – erleichtert der Maschine den Nahtbeginn. Beim Nähen um die Ecke lege ich die Hebamme erneut unter das Füßchen, um den Höhenunterschied auszugleichen. Das sorgt für ein gleichmäßiges Stichbild.
Nun wird das Schlüsselband doppelt gelegt …
… und der Schlüsselbandrohling positioniert und befestigt. Ich habe dafür eine spezielle Zange, das Ganze geht aber auch mit einer haushaltsüblichen Kombizange und – zum Schutz vor Kratzern – einem Stoffrest zwischen Rohling und Zange.
Fertig ist das Schlüsselband! Natürlich kann dieses auch noch mit Zierband oder Ähnlichem versehen werden – der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.
An dieser Stelle noch eine kleine Anekdote, denn den hier verwendeten Stoff habe ich schon etliche Jahre und auch schon mal als Taschenfutter vernäht. Was ich bis dato nicht wusste: Dieser leuchtet im Dunkeln! Ich musste herzlich lachen, als ich das nach all den Jahren festgestellt habe. Und wie praktisch für ein Schlüsselband das doch ist!
2. Handysitzsack nähen – praktische Geschenkidee mit kostenlosem Schnittmuster
Jeder hat ein Smartphone. Doch kaum jemand hat einen Sitzsack dafür! Das kannst du nun ändern, denn ich zeige dir, wie du aus Canvas (oder anderen festen Stoffen) ein gemütliches Plätzchen für ein Smartphone nähen kannst. Den für diesen Beitrag genähten Prototypen habe ich meiner Mama geschenkt und sie hat sich sehr darüber gefreut 🙂
Materialliste
- Canvas, feste Webware oder geeignetes Kunstleder (30 × 22 cm)
- Füllwatte und etwa 70 g Granulat
- Nähgarn und passende Nähmaschinennadel
- Optional: Weblabel – das verleiht dem Ganzen das gewisse Etwas.
Welche Nähutensilien benötige ich für den Handysitzsack?
- 80er Universalnadel
- Essstäbchen
- Eventuell Trichter zum Einfüllen des Granulats
Ich nähe den Sitzsack im folgenden Tutorial ohne Schnittmuster, was problemlos möglich ist. Solltest Du jedoch unsicher sein und noch nicht so viel Näherfahrung haben, so habe ich für dich ein kostenloses Schnittmuster erstellt.
Stoff vorbereiten und zusammennähen
Wie du auf dem folgenden Foto siehst, franst mein Stoff enorm, daher versäubere ich diesen mit der schmalen 3-Faden-Versäuberungsnaht meiner Overlock.
Dafür nehme ich die linke Nadel raus, stelle den Stichauswahlhebel auf B und die Stichbreite auf 5 mm ein. Wenn du wissen möchtest, warum ich mich für diese Einstellungen entschieden habe bzw. was genau dahintersteckt, kann ich dir diesen Kurs ans Herz legen.
An der kurzen, also 22 cm hohen Seite zeichne ich mir nun auf der linken Stoffseite die Öffnungen zum Wenden und Befüllen ein – und zwar bei 1,5 / 4,0 / 14,0 / 19,0 cm. Im Schnittmuster findest du entsprechende Markierungen, wobei das eingezeichnete „X“ jeweils den Bereich markiert, der NICHT zugenäht wird.
Nun falte ich den Stoff rechts-auf-rechts, sodass dieser weiterhin 22 cm hoch, aber nur noch 15 cm breit ist. Möchtest du ein Weblabel verarbeiten, wird dieses im nächsten Schritt platziert. Auf dem folgenden Foto zeige ich dir, wo genau dieses hinkommt.
Das Weblabel wird zwischen die beiden Stofflagen gelegt, das Symbol (hier: Herz) oder der Text sind dabei um 90 Grad gedreht und zeigen zur offenen Stoffkante. Achte zudem darauf, dass bei 1 cm Nahtzugabe nichts vom Herz / Text weggenäht wird! Versetze das Weblabel in diesem Fall etwas von der Stoffkante weg nach innen.
Ist das Label platziert, wird der Stoff an der oberen kurzen Seite mit dem Weblabel und der langen Seite festgesteckt und mit 1 cm Nahtzugabe genäht. Die untere Seite bleibt zunächst offen! Ich verwende eine 80er Universalnadel; die Nadelart solltest du natürlich an den von dir verwendeten Stoff anpassen.
Achte darauf, die mit „X“ markierten Bereiche offen zu lassen! Dafür genau bis zur Markierung nähen und die Naht gut verriegeln.
An der noch nicht genähten kurzen Seite markiere ich mir einmal die Mitte (im Bruch) und lege diese Markierung nun genau auf die Naht der langen Seite.
Nun wird auch diese Seite mit 1 cm Nahtzugabe geschlossen.
Als Nächstes werden die Ecken zurückgeschnitten. Dabei ist es kein Problem, dass die Versäuberungsnaht eingeschnitten wird. Wichtig ist, die eigentliche Steppnaht nicht zu verletzen!
Handysitzsack wenden und die Smartphone-Halterung absteppen
Nun kann das Ganze durch die große Öffnung auf die rechte Seite gewendet werden. Die Ecken forme ich anschließend gut aus!
Ich bügle die Nähte, was die weiteren Arbeiten – insbesondere im Bereich der Wendeöffnung - deutlich erleichtert.
Von der unteren Kante aus gesehen werden nun zwei parallele Linien im Abstand von 3,0 und 5,0 cm zur Stoffkante eingezeichnet. Ich zeichne diese auf der Seite mit der Naht ein, da ich so direkt kontrollieren kann, ob die Linien passend zur Öffnung zum Befüllen verlaufen. Die erste der beiden Linien muss nämlich exakt an der oberen Kante der Öffnung entlanglaufen!
Anschließend wird exakt auf den eingezeichneten Linien genäht.
Handysitzsack befüllen und Öffnungen schließen
Der untere schmale Bereich wird nun durch die kleine Öffnung mit Füllwatte richtig prall gefüllt. Ich nehme dafür gerne ein ausgedientes Essstäbchen als Hilfe, da man damit die Watte bis in die hinterste Ecke quetschen kann *lach*
Die Öffnung wird mit dem sogenannten „Matratzen-“ oder „Zauberstich“ per Hand geschlossen. Diese Naht in Worten zu beschreiben ist nicht gerade einfach und würde auch den Rahmen des Beitrags sprengen. Wenn du den Namen bei Google eingibst, findest du jedoch unzählige Tutorials dazu 🙂
So langsam nimmt der Sitzsack Form an! Nun muss nur noch der große Bereich befüllt werden. Da Smartphones oft recht groß und schwer sind, empfehle ich dir, zunächst ca. 70 g Granulat durch die Öffnung einzufüllen. Mit einem Trichter ist das besonders einfach.
Danach wird der Rest mit Füllwatte ausgepolstert – nicht unbedingt so straff wie der untere schmale Bereich, aber schon „ordentlich“.
Last but not least wird auch diese Öffnung per Hand geschlossen. Hier kann ich dir ein paar mehr Detailbilder zeigen; das war bei der kleinen Naht nicht gut möglich:
Es wird immer abwechselnd genau in den Bruch der Stoffkanten eingestochen, sodass sich eine Art Leiter bildet. Zieht man die Naht zusammen, schließt sich die Wendeöffnung auf magische Weise nahezu unsichtbar. Am Ende wird der Faden gut verknotet – und fertig ist der Sitzsack! Dieser hat ein fertiges Maß von ca. 14 x 19 cm und hält sogar mein Tablet im Querformat!
3. Nähanleitung für ein praktisches Federmäppchen
Eine weitere schöne Geschenkidee ist ein Federmäppchen – in diesem Fall ein dreieckiges! Dies kann natürlich auch für Schminkutensilien oder als Taschenorganizer verwendet werden.
Maker Mauz hat ein Freebook dafür, das du dir hier herunterladen kannst.
Materialliste
- Stoffreste
- eventuell Vlieseinlage
- 24 cm Reißverschluss
Nähutensilien, die ich genutzt habe
- Reißverschlussfuß
- Schmalkantfuß
- Zackenschere
Ich habe mir zusätzlich ein weiteres Schnittteil erstellt, nämlich die Außentasche ohne Nahtzugabe, damit ich die Vlieseinlage passgenau zuschneiden kann. Ich habe nämlich dünne Baumwollwebware verwendet, die unbedingt verstärkt werden muss. Bei festen Stoffen wie Canvas oder Jeans ist das nicht zwangsläufig nötig.
Zuschneiden der einzelnen Stoffteile und der Vlieseinlage
Ich schneide also einmal den Außenstoff gemäß Schnittmuster im Bruch zu und die Vlieseinlage – ich habe mich für Ronofix 100 entschieden (das könnte man wohl als eine Mischung aus S 320 und H 630 bezeichnen) – ohne Nahtzugabe ebenfalls im Bruch.
Nun presse ich die Vlieseinlage auf die linke Seite des Außenstoffs. Ich verwende dafür gerne meine Textilpresse, da ich damit gleichmäßigen Druck ausüben kann und das Ganze ruckzuck geht.
Während ich das Außenteil nun etwas ruhen lasse, schneide ich die beiden Futterteile aus Baumwollwebware zu und verstärke diese – diesmal mit Nahtzugabe – mit Novopast (eine Alternative zu S 320).
Wie wird ein Reißverschluss richtig eingenäht?
Im nächsten Abschnitt zeige ich Dir Schritt für Schritt, wie Du den Reißverschluss einnähst.
Gemäß Anleitung zum Schnitt habe ich mir den Endlosreißverschluss mit 22 cm Länge zugeschnitten, später jedoch festgestellt, dass das ein wenig arg knapp ist. Daher ganz wichtig! Schneide dir den Reißverschluss daher mit mindestens 24 cm Länge zu! Die Enden verschmelze ich mit dem Feuerzeug.
Nun wird der Zipper aufgezogen.
Ist der Reißverschluss soweit vorbereitet, wird dieser rechts auf rechts an eine Seite des Außenteils gesteckt …
… und mit Hilfe des Reißverschluss-Fußes angenäht. Die Nadelposition habe ich um 3 Punkte nach links versetzt. Im Bereich des Zippers den Nähfuß – bei abgesenkter Nadel! – anheben und den Zipper hinter den Fuß ziehen. Aber Achtung, nicht zu weit, damit er nicht hinten „rausflutscht“!
Hier hatte ich übrigens – zum Glück vorm Nähen – festgestellt, dass der Reißverschluss mit den angegebenen 22 cm etwas kurz ist und wacker einen Längeren zugeschnitten. Auf dem obigen Bild ist noch die kürzere Variante zu sehen!
So schaut das Ganze von der rechten Seite aus:
Innenfutter annähen und Federmäppchen zusammensetzen
Nun wird einer der Innenstoffe rechts-auf-links auf Reißverschluss und Außenstoff gesteckt und auf der vorherigen Naht festgenäht.
Die Nahtzugaben Richtung Innenstoff bügeln und knappkantig feststeppen. Das geht mit dem Schmalkantfuß und einer um zwei Punkte nach rechts versetzten Nadel besonders einfach. Die Stichlänge kann dabei ruhig auf 3,5 erhöht werden.
Als Nächstes wird die noch offene lange Seite des Außenstoffs rechts-auf-rechts an die andere Reißverschlussseite gesteckt und angenäht. Anschließend wird – wie zuvor auf der anderen Seite – der zweite Innenstoff angenäht, gebügelt und abgesteppt.
Nun werden die langen Kanten vom Innenstoff zusammengesteckt. Vorher unbedingt den Reißverschluss öffnen, um das Federmäppchen später wenden zu können! Zudem solltest du eine ca. 10 cm lange Wendeöffnung im Innenstoff belassen. Auch die Seitenteile werden wie auf dem folgenden Bild gesteckt. Der Bereich mit den blauen Kreuzchen wird zunächst ausgespart (auch beim Außenstoff)! Nähe das Ganze mit 1 cm Nahtzugabe zusammen.
Die noch nicht genähten Ecken werden nun auseinandergezogen und – wie auf dem folgenden Bild zu sehen – aufeinandergelegt.
Die Nahtzugaben lege ich dabei aus- und die Nähte passgenau übereinander.
Nun wird diese schmale Seite ebenfalls mit 1 cm Nahtzugabe geschlossen. Das Ganze wird auf der anderen Seite wiederholt.
Sollte ein Teil des Reißverschlusses überstehen, wird dieser nun gekürzt. Zudem werden die Ecken und Nahtzugaben – außer bei der Wendeöffnung! – zurückgeschnitten (ich verwende dafür gerne die Zackenschere), um alles schön ausformen zu können.
Bevor es endlich ans Wenden geht, empfiehlt es sich, die Nahtkreuzung bis kurz vor die Naht einzuschneiden.
Federmäppchen wenden und fertigstellen
Nun kann das Federmäppchen gewendet, die Ecken gut ausgeformt und die Wendeöffnung im Futterstoff geschlossen werden. Das kann man entweder mit dem Zauberstich per Hand machen oder knappkantig mit der Nähmaschine absteppen.
Tadaaaa, fertig ist das Mäppchen!
4. Leseknochen nähen – eine kuschelige Geschenkidee zu Weihnachten
Eine weitere schöne Geschenkidee für eine Leseratte ist der allseits beliebte Leseknochen. Er ist schnell und einfach genäht und eignet sich hervorragend für jemanden mit wenig Näherfahrung. Für alle, die nicht wissen, wofür ein Leseknochen verwendet wird: Er ist ein vielseitiges Kissen in Knochenform, das sowohl als Nackenstütze als auch als Buch- und Tablethalter auf dem Schoß genutzt werden kann.
Ich nähe gerne die Version von pattydoo, die es auf der Website zum kostenlosen Download gibt.
Materialliste
- 70,0 x 50,0 cm Stoff deiner Wahl
- Füllwatte
Folgende Nähutensilien sind empfehlenswert
- 80er Jerseynadel
- Obertransportfuß
- Kreiderädchen
- Fusselrolle
- Ahle
Ich habe mich für einen quietschbunten Kuschelfleece entschieden, von dem ich noch Reststücke herumliegen hatte. Zunächst geht es ans Zuschneiden. Dabei richte ich die Spitzen des Leseknochens auf beiden Seiten auf demselben farbigen Übergang auf dem Stoff aus. Insgesamt benötige ich dieses Schnittteil dreimal.
So schön dieser Stoff ist, so sehr fusselt er – und lädt sich auch statisch auf, sodass man die Fusseln wirklich überall hat: an sich selbst, den Möbeln, dem Fußboden …
Ein kleiner Zusatztipp von mir: Lege Dir eine Fusselrolle hin. Ich habe beim Zuschneiden solcher Stoffe stets eine Fusselrolle parat liegen, um zwischendurch möglichst viele Fusseln „einfangen“ zu können.
Als Nächstes wird auf allen drei Schnittteilen die Nahtecke markiert. Bei Stoffen wie Fleece geht das mit einem Kreiderädchen am besten, finde ich.
Wie näht man einen Leseknochen zusammen?
Einen Leseknochen näht man ganz einfach zusammen. Ich werde Dir Schritt für Schritt alles zeigen. Zuerst werden die ersten beiden Teile des Leseknochens an einer langen Seite rechts-auf-rechts aufeinander gesteckt. Im Eifer des Gefechts hatte ich vergessen davon ein Foto zu machen, was ich nachgeholt habe. Daher ist auf dem Foto bereits die Naht zu sehen – davon bitte nicht irritieren lassen!
Da bei diesem Schnitt eine Nahtzugabe von 0,7 cm enthalten ist, habe ich mich für das Füßchen 8D meiner Bernina entschieden, da ich beim fußbreiten Nähen exakt diese Nahtzugabe einhalten würde (beim Standardfuß sind es bekanntermaßen 1,0 cm). Da es sich um einen leicht dehnbaren Stoff handelt, habe ich zudem eine 80er Jerseynadel eingesetzt.
Wichtig ist, die Naht exakt auf einem der zuvor markierten Nahtecken-Punkte zu beginnen. Schon nach wenigen Zentimetern musste ich feststellen, dass das gewählte Füßchen keine gute Idee war, da der widerspenstige Stoff nicht gut transportiert wurde und sich die beiden Stofflagen verschoben haben.
Und so kam des Nähers liebstes Tool zum Einsatz: Der Nahttrenner! Im Hintergrund des folgenden Fotos kannst du bei genauem Hinsehen bereits erkennen, dass ich mich nun für den Obertransportfuß entschieden habe.
Zusatztipp: Wenn sich bei kuscheligen oder dehnbaren Stoffen die Stofflagen verschieben, kann ein Obertransportfuß helfen, beide Lagen gleichmäßiger zu transportieren.
Nun ist dieser Fuß arg breit und ich musste zunächst herausfinden, wo ich den Stoff führen muss, um die Nahtzugabe exakt einzuhalten. Ich habe die Nadel um zwei Punkte nach rechts versetzt und den Stoff an der inneren Kante der äußeren „Strebe“ des Fußes entlanggeführt (s. Scherenspitze auf dem folgenden Foto).
Mit dem Obertransportfuß war es schließlich ein Leichtes, die beiden Stofflagen zusammenzunähen.
Die Naht endet exakt an der markierten Nahtecke auf der anderen Seite der langen Strecke.
Das zusammengenähte Teil wird nun aufgeklappt und das verbliebene dritte Schnittteil rechts-auf-rechts an einer der langen Kanten festgesteckt und wie zuvor gezeigt angenäht. Auch hier wird wieder exakt von einer markierten Nahtecke zur anderen genäht. Es lohnt sich, wirklich ganz genau darauf zu achten!
Nun werden die beiden offenen Kanten aneinandergesteckt und zusammengenäht. Dabei unbedingt eine Wendeöffnung von ca. 10 cm Länge offenlassen! Durch diese wird der Leseknochen nach dem Nähen gewendet. Wenn du die Nahtecken exakt eingehalten hast, wirst du mit einem besonders schönen Ergebnis im Bereich der Nahtkreuzungen belohnt.
Letzter Schritt – Leseknochen wenden und mit Füllwatte ausstopfen
Jetzt wird der Leseknochen mit reichlich Füllwatte ausgestopft. Und ich meine wirklich reichlich!
Zu guter Letzt kommt wieder der bereits mehrfach in diesem Blogartikel erwähnte Zauberstich zum Einsatz, um die Wendeöffnung zu schließen.
Saubere Nähte bei Kuschelfleece? – So einfach gelingen sie
Für extra Streberpunkte habe ich an dieser Stelle noch einen kleinen Tipp für dich parat, der bei hochflorigen Stoffen zum Einsatz kommt. Die längeren „Haare“ werden oft mit eingenäht, wodurch die Nähte regelrecht betont werden.
Ich nehme mir gerne eine Ahle oder Nadel, gehe damit unter die eingenähten Härchen und ziehe diese wieder aus der Naht.
Dadurch legen sich diese über die Naht, was zu einem saubereren Ergebnis führt.
5. Der Ofenhandschuh – ein praktisches Geschenk für Köche
Die fünfte und letzte Geschenkidee ist ein Ofenhandschuh – schließlich steht Backen in der (Vor-)Weihnachtszeit ganz hoch im Kurs! Der Ofenhandschuh ist einfach genäht und für jedes Nählevel geeignet.
Materialliste
- Baumwollstoff (wichtig: 100% Baumwolle!) oder einen hitzebeständigen Stoff
- Thermolam 272
- Schrägband
Nähutensilien
- 80er und 90er Universalnadel
- Reißverschlussfuß
- Stoffklammern
Dafür benötigst du einen Stoff aus 100% Baumwolle bzw. einen hitzebeständigen Stoff. Ich habe in den Untiefen meines Nähzimmers diesen Feincord gefunden, auf dessen Webstreifen zum Glück draufstand, dass es sich um „100 % Cotton“ handelt. Passend zu diesem Projekt habe ich ein Schnittmuster entworfen, das du dir hier kostenlos herunterladen kannst.
kostenloses Schnittmuster OfenhandschuhDu brauchst das lange Teil zweimal aus Stoff im Bruch zugeschnitten und einmal aus Thermolam 272, ebenfalls im Bruch zugeschnitten. Zudem benötigst du jeweils viermal das Handschuhteil aus Stoff und Thermolam. Und reichlich Schrägband!
Handschuhteile und Hitzeschutz zusammennähen
Als Erstes werden die Handschuhteile fertiggestellt. Dazu benötige ich je Handschuhteil zwei Stoffzuschnitte und einen Thermolam-Zuschnitt. Diese drei Lagen lege ich wie folgt aufeinander:
Ich richte die Lagen bündig aus, klammere das Ganze zusammen …
… und steppe innerhalb der Nahtzugabe einmal rundherum. Ich habe dafür eine 80er Universalnadel eingesetzt und die Nadelposition nach ganz rechts eingestellt. Das Ganze wiederhole ich mit dem zweiten Handschuhteil.
Nun wird der lange Part des Ofenhandschuhs vorbereitet. Dazu benötige ich die beiden Stoffzuschnitte, den langen Thermolam-Zuschnitt und die beiden verbliebenen Thermolam-Zuschnitte in Handschuhteil-Größe.
Diese insgesamt vier Lagen lege ich wie folgt aufeinander:
Warum lege ich zusätzlich zum langen Thermolam-Stück nochmal die Handschuhteile aus Thermolam zwischen die Stofflagen?
Das bietet einen noch besseren Hitzeschutz!
Wichtig: Wie gut Dein fertiger Ofenhandschuh vor Hitze schützt, hängt nicht nur vom Thermolam ab, sondern auch von den verwendeten Stoffen, der Anzahl der Lagen und der Verarbeitung. Achte deshalb unbedingt auf die Herstellerangaben Deiner Materialien. Ein selbstgenähter Ofenhandschuh ist nicht automatisch für jede Temperatur geeignet. Teste ihn daher nicht direkt an sehr heißen Gegenständen und vermeide längeren Kontakt mit heißen Oberflächen.
Wie bei den Handschuhteilen richte ich alles bündig aus, klammere und steppe innerhalb der Nahtzugabe zusammen. Somit habe ich drei Teile, die rundherum zusammengenäht sind.
Wie näht man Schrägband richtig fest?
Nun geht es ans Schrägband. Aber keine Sorge, das ist nicht halb so schwierig, wie du vielleicht befürchtest! Ich zeige Dir Schritt für Schritt ,wie Du das Schrägband festnähst. Dafür schneide ich je Handschuhteil ein Stück Schrägband ab, das etwas länger als die gerade Seite des Handschuhteils lang ist. Dieses klappe ich auf und stecke es auf der linken Handschuhteil-Seite gut fest.
Das Schrägband wird genau auf der ersten Falzlinie, also der Falz, die näher an der Stoffkante ist, angenäht.
Dann lege ich das Schrägband über die Stoffkante auf die andere Seite des Handschuhteils, klammere das Ganze gut fest und steppe es knappkantig fest. Ich habe die Nadelposition dafür um zwei Tacken nach rechts verstellt.
Soll dein Ofenhandschuh einen Aufhänger bekommen, schneidest du dir ein 15 cm langes Stück Schrägband ab, faltest dieses entsprechend der Falzlinien zusammen, bügelst einmal kurz drüber und steppst zumindest die offene lange Kante ab. Aus optischen Gründen habe ich beide langen Seiten abgesteppt.
Schnittteile zusammensetzen und befestigen
Ich schneide das überstehende Schrägband an den Handschuhteilen ab und lege diese wie folgt auf das lange Ofenhandschuh-Teil. Den Aufhänger platziere ich mittig auf der langen Seite.
Da hier stellenweise sehr viele Lagen aufeinandertreffen, habe ich nun eine 90er Universalnadel eingesetzt.
Schrägband zum Zweiten! Ofenhandschuh komplett mit Schrägband einfassen
Ich steppe die Handschuhteile und den optionalen Aufhänger innerhalb der Nahtzugabe fest. Als Nächstes benötige ich reichlich Schrägband. Ich lasse dieses zunächst auf der Rolle, bis ich dieses rundherum auf der linken Seite des langen Schnittteils festgesteckt habe.
Ich spare hier nicht an Klammern, damit nichts verrutscht! Zudem lasse ich dort, wo Anfang und Ende des Schrägbands aufeinandertreffen, ca. 10 cm überstehen.
Ich nähe das Schrägband, wie zuvor auch, entlang der ersten Falzlinie fest. Der Nahtbeginn ist dabei ca. 5 cm NACH dem Schrägbandanfang! Circa 10 cm, bevor ich den Schrägbandanfang erreiche, höre ich auf zu nähen und lasse die Nadel im Stoff stecken. Ich markiere genau, wo Anfang und Ende des Schrägbands aufeinandertreffen, …
…nähe bis dorthin und verriegele die Naht sorgfältig.
Ich falte die Schrägband-Enden nun im 45-Grad-Winkel um …
… stecke das Ganze mit einer Nadel fest …
… und nähe entlang der sich so ergebenden Linie. Achte darauf, nicht in den Ofenhandschuh selbst zu nähen! Der Reißverschlussfuß ist dabei eine große Hilfe, um möglichst dicht an der Stoffkante entlangnähen zu können.
Ich schneide das überstehende Schrägband knappkantig zurück.
Nun ist das Schrägband sauber zusammengenäht und wird auf die rechte Seite des Ofenhandschuhs herumgeschlagen. Dabei verwende ich wieder reichlich Klammern.
Ich steppe das Schrägband, wie bereits zuvor erläutert, knappkantig fest. Sollte es im Handschuhbereich aufgrund der vielen Lagen schwierig sein, das Schrägband ausreichend weit um die Stoffkante zu legen, kürze die Nahtzugabe ggfs. leicht ein. Fertig ist dein Ofenhandschuh!
Ich hoffe, meine fünf Geschenkideen zum Selbernähen gefallen dir und du magst das eine oder andere davon umsetzen. Vielleicht hast Du auch noch eine andere Idee, was man selbst nähen und verschenken kann.
Ob Schlüsselband, Handysitzsack, Leseknochen, Federmäppchen oder Ofenhandschuh. Mit diesen fünf Nähideen kannst du (nicht nur) zu Weihnachten ganz persönliche Geschenke selber machen. Und das Schönste daran: Jedes Geschenk ist ein Unikat!
Ich wünsche dir viel Freude beim Nähen – und natürlich beim Verschenken! Zeige das Ergebnis gerne in der Nähgruppe von Courleys:
Ganz liebe Grüße,
Deine Jana
Du möchtest die Geschenkideen nachnähen, bist aber noch ganz am Anfang?
Dann schau gerne in unseren Grundkurs Nähen. Dort lernst Du Schritt für Schritt die wichtigsten Grundlagen an der Nähmaschine und bekommst das nötige Wissen, um Deine eigenen Nähprojekte sicher umzusetzen.





