Typische Fehler beim Saum – Folge 3

Typische Fehler beim Saum

Jeder hat es schon einmal gehabt: Der Saum ist nicht so geworden, wie man sich das vorgestellt hat. Aber woran liegt das? Was haben wir falsch gemacht? Wir haben den Saum an das Material angepasst, haben einen entsprechenden Stich genommen und trotzdem sieht der Saum nicht so aus, wie wir uns das wünschen.

Oder unser Kleidungsstück ist fertig und der Saum passt so gar zum Gesamtprojekt. Wir sind unzufrieden und unsere benähte Person weigert sich regelrecht, es zu tragen. Alle Arbeit umsonst. Einfach, weil der Saum nicht angemessen ist.

Welche Fehler können wir also vermeiden, um einen hübschen und sauberen Saum zu erhalten? Bei unserem nächsten Teil zum Thema Säume geht es heute um die folgenden Fragen: welche Fehler kann man vermeiden? Welche Fehler kann man im Nachhinein noch ausbügeln? Und gibt es Säume, die ein Kleidungsstück entstellen können?

Wir liegen in den letzten Zügen, der Saum ist fast fertig. Wir freuen uns schon sehr auf unser neues Sommerkleid aus Jersey. Aber dann sind wir mehr als enttäuscht. Unser eingeschlagener, mit einem dehnbaren Stich genähter Saum sieht aus wie ein Wellensaum. Wellen, überall! :o((( So zieht das doch keiner an. Zu allem Übel klappt er sich auch noch nach oben. Woran mag das liegen, und was können wir tun?

Warum wellt sich der Saum?

Beginnen wir mit den Vorbereitungen und bügeln wir unseren Saum zunächst um. Gerade bei Jersey empfehlen wir, den Stoff nur einmal einzuschlagen. Befindet sich eine dritte Stofflage innerhalb des Saumes, kann sich diese einrollen und es bildet sich eine unschöne Wulst zwischen der Naht und der Saumkante. Schlagen wir unseren Jersey nur einmal ein, kann dieser sich nicht mehr einwickeln, da er an der Schnittkante festgenäht wird. Beim anschließenden Bügeln, achtet darauf, das Material nicht zu dehnen.

Dies gilt übrigens auch für das Nähen. Zerren wir an einem Stoff und dehnen ihn dadurch, verschieben sich die beiden Stoffe und es kommt zu Wellen im Saum. Besser, die Stoffe immer in der Geschwindigkeit in die Maschine laufen lassen, dass sie ganz locker unter dem Nähfuß ankommen. Dehnen ist absolut verboten, wenn man keine Wellen möchte.

Obertransportfuß als Wellenkiller

Sehen wir uns dazu an, was beim Säumen unter der Nähmaschine passiert. Wir haben zwei dehnbare Stoffe übereinander liegen. Diese schieben wir jetzt unter den Standardfuß. Der Untere wird durch den Transporteur nach hinten geleitet. Der darüber liegende wird durch das Nähfüßchen auf den anderen Stoff gedrückt, hat also keinen Kontakt mit dem eigentlichen Transport, um richtig weitertransportiert zu werden. Ganz logisch, dass der Untere schneller und der Obere langsamer befördert wird. Die Folge ist: Die Stoffe verziehen sich und die Naht wird wellig.

Abhilfe kann hier ein Obertransportfuß schaffen. Es gibt Nähmaschinen, da ist dieser bereits integriert, bei einigen gehört er zum bereits beigefügten Zubehör oder kann dazu gekauft werden. Die Montage ist meist sehr einfach. Ist er erstmal angebracht, haben wir ein Problem weniger, denn nun wird auch der obere Stoff gleichzeitig und parallel zum Unteren nach hinten geschoben. Das Verschieben fällt weg und es sollte ein glatter Saum aus der Maschine laufen.

Nähfußdruck als feine Justierung

Nun haben wir aber unsere Maschine aufgerüstet und der Saum hat immer noch leichte Wellen. Dann regulieren wir mal ein wenig den Nähfußdruck nach. Dreh ihn einfach ein bisschen runter, also verringere ihn, so dass der obere Stoff nicht so stark auf den unteren gedrückt wird. Vielleicht hilft das schon, um die letzten leichten Wellen zu beseitigen.

Elastischer Stich, sonst reißt die Naht

Uns ist allen klar, dass wir bei Jersey einen elastischen Stich benötigen, damit sich unsere Naht mit dem Material ausdehnen kann. Verwenden wir diesen nicht, kann uns die Naht reißen und geht auf. Ideal wäre, die Naht mit der Cover zu nähen, aber auch an unserer Nähmaschine finden wir einige elastische Stiche wie den Zickzack- oder Wabenstich. Wollen wir eine ähnliche Naht wie bei der Cover, greifen wir zur Zwillingsnadel.

Leider kann es passieren, dass das kleine Stückchen Stoff zwischen den beiden Nähten eine kleine Wulst bildet, da es auf der Unterseite zusammen gezogen wird. Kein schöner Saum, der da am Ende entstanden ist. Wir müssen folglich was an den Einstellungen des Stiches ändern. Ein wenig Fingerspitzengefühl ist gefragt. An drei „Rädchen“ können wir an der Nähmaschine schrauben: Die Unterfadenspannung, die Oberfadenspannung und die Stichlänge. Letzteres ist bei uns immer das erste, was wir verändern: Wähle an Deiner Nähmaschine eine kleinere Stichlänge. Hilft dies nicht, dann versuch, die untere Fadenspannung ein wenig zu lockern oder die Oberfadenspannung im Gegenzug anzuziehen. Die Einstellungen können von Gewebe zu Gewebe verschieden sein. Wir probieren einfach auf einem doppelt gelegten Reststück, wann die Naht einwandfrei aussieht.

Was auch ein hervoragendes Mittel ist, um Wellen in den Griff zu bekommen, ist Avalon Film oder Soluvlies. Beides ist ein wasserlösliches, undehnbares Vlies, dass Deinen Stoff während des Nähens undehnbar macht, also die Nahtlänge nicht verlängert. Somit hast Du eine glatte Naht, und nach der Wäsche ist Dein Saum schön glatt.

Letzte Rettung

Sollte das alles nicht helfen und in unserem Saum befinden sich leichte Wellen, greifen wir zu unserem Bügeleisen und gehen mit ordentlich Dampf mehrmals drüber. So sollten sich auch noch die letzten kleinen Wellen beheben lassen.

Der Saum klappt nach oben

Welche Länge hat die Saumzugabe?

Das Problem mit den Wellen haben wir gelöst. Doch woran liegt es, dass der Saum immer nach oben klappt? Das ist eigentlich ganz mühelos erklärt: Der Saum ist einfach zu kurz! Wir hätten ihn länger zuschneiden müssen, damit wir ein größeres Stück nach Innen umklappen können. Je dicker der Stoff, desto mehr Saumzugabe geben wir hinzu. Bei einem normalen Jersey ca. 2,5 bis 3 cm, bei einem dickeren Sweat etwas mehr. An dieser Stelle noch einmal der Tipp, einfach etwas länger zuzuschneiden.

Wie rette ich eine zu kurze Saumzugabe?

Nun merken wir beim Säumen: „Mist, wir hätten die Saumzugabe großzügiger berücksichtigen sollen. Unser Shirt wird zu kurz, wenn wir den Stoff unten einschlagen.“ Die Rettung naht, denn was haben wir in den letzten Wochen gelernt? Wir können an unsere Schnittkante einen Beleg nähen, der dann verstürzt und wie gewohnt festgesteppt wird. Vielleicht ist noch etwas von unserem Shirt-Stoff übrig oder wir verwenden einen andersfarbigen, natürlich passenden Stoff. Das Shirt verliert dadurch nicht an Länge und der Saum ist gerettet.

Wem das nicht gefällt, greift dann eventuell lieber zu einem Rollsaum. Bei diesem brauchen wir ja zum Glück nur eine minimale Saumzugabe.

Warum klappt auch der Rollsaum nach oben?

Doch auch hier kann es uns passieren, dass der Rollsaum sich nach oben biegt. Stell Dir vor, du hast eine Strecke von einem Meter (dein Jerseysaum) und diesen ziehst Du auf 1,5 Meter. Nachdem Du den Rollsaum genäht hast, geht die Länge auf eine Strecke von einem Meter zurück, aber sie ist eigentlich immer noch 1,5 Meter lang. Wo soll die Mehrlänge hin? Für die ist kein Platz. Also schiebt sie sich weg. Nach oben oder nach innen. Um dies zu verhindern, solltest Du beim Nähen darauf achten, dass Du den Stoff nicht zu sehr dehnst. Ein kleines bisschen zur Stabilisierung des Rollsaumes ist ok.

Klappt er sich immer noch nach oben, liegt es höchstwahrscheinlich am Stoff.

Welcher Saum entstellt unser Projekt?

Wir strotzen vor Glück, als unser neues Shirt fertig ist. Der Saum ist perfekt gelungen. Doch irgendetwas stimmt nicht. Wir haben einen falschen Saum gewählt. Welche Säume sollte man bei bestimmten Stoffarten oder Kleidungsstücken also nicht nähen? Gibt es Fettnäpfchen?

Jungsshirt mit Rollsaum oder Rüschen

Es gibt Varianten, die sind ein bisschen unüblich. Klar, technisch ist alles möglich, aber viele Jungs würden ein Shirt mit einem gewellten Rollsaum oder Rüschen nicht tragen. Je älter sie werden, desto weniger. Hier kann man Gender-denken unterstellen, und um diese Diskussion soll es hier ausdrücklich nicht gehen. Jungs, die auf Rüschen stehen, sollen diese bitte tragen und einfach happy sein. Der Rollsaum steht tatsächlich doch eher für feminine und verspielte Stile. Rüschen an einem Jungsshirt sind eher selten gesehen.

Rollsaum in dicken Sweat

Wo wir gerade beim Rollsaum gelandet sind. Dieser ist für leichte bis sehr leichte Stoffe sicherlich die richtige Wahl. In einem dickeren Stoff wie einem flauschigen Sweat gehört er aber nicht hin. Zum Säumen empfiehlt es sich hier eher, die Stoffkante mit einem schmalen Overlockstich zu umnähen oder den Saum einzuklappen und festzusteppen.

Herren -T-Shirt mit schmalem Einfasser

Es kommt nicht oft vor, aber ab und zu bekommt vielleicht der Partner auch einmal ein Shirt mit langen oder kurzen Ärmeln genäht. Säume und Einfassstreifen sehen in Kontrastfarben super aus und erfrischen jedes schwarz. Bei der Verwendung von Einfassern sollten wir darauf achten, dass der Einfassstreifen nicht zu schmal gewählt wird. Stell Dir mal einen groß gewachsenen, stattlichen Mann vor, der ein Shirt mit ganz schmalen Einfasstreifen trägt. Hier gilt die Regel – je gröber und größer der Träger des Kleidungsstückes, desto breiter darf / muss / sollte der Saum / der Einfassstreifen sein. Aber Achtung: müssen auf einen Babystrampler Jerseydrücker, sollte der Einfassstreifen mindestens die Breite der Drücker haben, sonst stehen die über. Auch wenn das Baby klein ist….

Für Eure Maschine gibt es Einfasser in verschiedenen Größen. DIE perfekte Größe gibt es nicht, das hängt tatsächlich an der Verwendung, und nicht wenige nutzen 2 bis 3 unterschiedliche Breiten.

Hast Du hierzu schon unsere laufenden Live-Onlinekurse gesehen? Schau Dich einfach mal um

Fazit

Viele von den genannten Fehlern sind uns allen schon passiert. Aber nicht den Kopf in den Sand stecken. Für alles gibt es eine Lösung. Vieles ist machbar und kann „ausgebügelt“ werden. ,O))) Ihr braucht keine Angst vorm Säumen zu haben. Und bei der Gestaltung halten wir die Augen offen, denn nicht jeder Saum sieht bei bestimmten Stoffen oder Kleidungsstücken gut aus.

Möchtet Ihr noch weitere Tricks für einen sauberen Saum bekommen? Schaut nächste Woche unbedingt in unseren Beitrag zum Monatsthema „Säume“ und / oder meldet Euch gleich für unseren Newsletter an.

Viel Spaß beim nähen ;O))

Dein Courleys-Team